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IA goes agile – die IA Konferenz 2013

5. Mai 2013

Back from Berlin… mit einem Haufen Sketchnotes (die ich in den nächsten Tagen noch digitalisieren muss) und einem noch größeren Berg an Eindrücken von einer wirklich großartigen Konferenz.

Akademie der Wissenschaften Berlin

Bei der IA Konferenz, der Konferenz für Konzepter, Informationsarchitekten und UX Experten, stand in diesem Jahr das Motto „Prozess. Dialog. Qualität“ und damit das Trend-Thema Agilität im Fokus.

Als UX Consultant in einer Agentur, die sich den Prinzipien agiler Vorgehensweisen verschrieben hat, werde ich in meiner Arbeit täglich mit dem Thema Agile UX konfrontiert. Von der IA Konferenz erhoffte ich mir demnach Einblicke darin und Austausch darüber, wie andere Agenturen ihre agilen Teams zusammenstellen, wie sie die Konzeption und UX-Strategen positionieren und wie der Ablauf eines agilen UX Projektes gestaltet ist.

 Welche Prozesse brauchen wir? Und wie finden wir die?

Schon in der Keynote wird das vorherrschende Thema der diesjährigen Konzepter-Konferenz deutlich: Jutta Eckstein spricht über Erfahrungen bei der Einführung agiler Vorgehensmodelle in Unternehmen. Bereits bei den ersten Planungen sollte  das Prinzip „Individuen und Interaktionen über Prozesse und Tools“ aus dem agilen Manifest zum Tragen kommen, um je nach Situation in unterschiedlichen Abteilungen und Aufgabenfeldern über das Maß an Agilität zu entscheiden. Darüber hinaus ist Vertrauen – oder Zutrauen – die wichtigste Basis dabei, um echte Akzeptanz zu erreichen.

Rainer Sax kam mit dem Titel „People – Power – Process“ zu einer etwas provokanten, aber durchaus stimmigen These: Beim Wasserfall hieß es noch „People delegate Power to the Process„, nach allzu religiös angewandten agilen Vorgehensweisen oft „People believe, they have all the Power over the Process“ oder noch schlimmer „People believe they get Power from the Process„, wobei es im Idealfall einfach heißt „People Power the Process„. Denn gute Menschen machen gute Projekte, und das Ziel eines jeden sollte schlichtweg sein, ein guter Projektteilnehmer zu werden.

Um Prozesse und das Finden der passenden für das eigene Unternehmen ging es auch bei Bogdan Stanciu, der in seinem Vortrag Designing the Unknown die Kette von People über Process zu Culture und schließlich zum (guten) Produkt führte. Kultur ist immens wichtig für erfolgreiche Projekte, kann aber nicht von oben herab eingeführt und noch weniger geplant werden. Culture happens – Kultur muss gelebt werden. Passende Prozesse kann man nicht wie einen Standard kopieren, sondern muss sie für die ganz eigenen Anforderungen selbst definieren.

Und wie geht nun agile Konzeption?

Jens Christian Jensen bot ein paar der erhofften konkreten Einblicke in bestehende Prozesse, in dem er die ideale Verbindung von User Centered Design und agilem Vorgehen und deren Umsetzung bei Pixelpark beschrieb. Der Product Owner agiert dort als Anforderungsmanager, der die Interessen des Nutzers genauso kennt wie die Businessziele des Kunden und für Research ebenso verantwortlich ist wie für den entstehenden Produktnutzen. Er erstellt und priorisiert die User Stories in Abstimmung mit seinem Team, das aus Entwicklern genauso wie aus Informationsarchitekten und Usability Experten besteht.

Noch konkreter wurde Stefan Böhland, der dem Lead Konzepter die Rolle des Product Owners verlieh, und die Entwicklung eines priorisierten Product Backlogs mit Hilfe von klassischen UX Methoden (Szenarien, Personas und Customer Journeys) beschrieb. Die Feinkonzeption der User Stories wird dann von UX- und IA-Experten im Entwicklungsteam übernommen. Auch Mathias Wrba gewährte lehrreiche Einblicke in die User Story-Erstellung u.a. mit Hilfe von Workshops und zeigte seine Adaption des INVEST-Modells für Konzepter. Für jede User Story gibt es dort zwei Schätzungen: Eine für die Konzeption und eine für die Entwicklung.

Bernd Oesterreicher von Oose Innovative Informatik durchleuchtete den Scrum-Prozess noch aus der Sicht der Gestalter und zeigte auf, wie Designer ihren Platz in diesem Konstrukt einnehmen können. Er beschreibt Scrum als iterative Annäherung an ein bewegliches Ziel und fordert Designer auf, dabei „ein Schwein zu sein“, also aktiv am Prozess teilzunehmen.

IA Konferenz 2013

Anders Ramsay in seinem großartigen Vortrag über Minimum Viable Products und einem Strauß an Design Patterns, um genau diese zu erstellen. Denn es sollte bei unserer Arbeit nicht um die Gestaltung von User Experience gehen, sondern um Product Viability. Demnach sollte die Frage „Is this user friendly?“ ersetzt werden durch die viel relevantere Frage „Would you pay for it?“

Worin sich glaube ich alle einig waren: Konzeption, Design und Entwicklung können nicht gleichzeitig beginnen. Die „Iteration 0“ ist immer notwendig, und hier sollte soviel UX-Arbeit wie möglich einfließen. Thomas Zahler ging sogar noch weiter und forderte eine eigene Phase für das „Big Picture“. Denn ohne gut ausgearbeitete Produktvision kann kein Projekt dauerhaft erfolgreich sein.

Neben diesen Vorträgen gab es auch noch weitere spannende Themen wie die Kreation von User Stories anhand von Personas, Rapid Prototyping für Unternehmensstrategien oder den Erfahrungen aus einem komplexen Responsive Design Projekt bis hin zum großen Schlagwort Lean UX. Inhaltlich hat mir die Qualität der Sessions wirklich gefreut!

Mein Fazit: Agil ist nicht (nur) Hype

Insgesamt habe ich den Eindruck, die Konzeption als eigenständige Disziplin bei der Erstellung interaktiver Produkte wird wieder viel pragmatischer betrachtet, der Overhead an Studien und die Suche nach der perfekten Usability wird abgelöst durch realistische Wertschätzung der Produkte und Entstehungsprozesse an sich. Und die Erfahrung im UX Design erlaubt es uns, nach dem vielen Studieren nun wieder mehr auf das Produkt selbst zu konzentrieren. Eine sehr gute und richtige Entwicklung, finde ich.

Gendarmenmarkt Berlin

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